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Mein Zivi in Thailand

Mein Jahr in Thailand war mein erster Aufenthalt in einem asiatischem Land und wohl auch so ganz anders als meine bisherigen Erfahrungen in jedem Bereich des Lebens. Für mich war es der Schritt raus aus der Schule und in die Arbeitswelt mit all seinen Facetten. Zu dieser Umstellung kamen Herausforderungen durch eine unbekannte Kultur, eine andere Kommunikationsweise, fremde Traditionen und eine schwierige Sprache.

Diese Probleme haben sich allerdings erst im Laufe des Jahres herausgestellt. Einmal angekommen wurde ich von einer Fülle von verschiedenen Eindrücken überhäuft und so hat es einige Zeit gebraucht bis ich mich eingelebt hatte.

Da war als Erstes das Wetter. Thailand hat ein recht schwüles Klima mit Durchschnittstemperaturen von ca. 30 Grad. Als wir also aus dem Flughafen kamen und somit die klimatisierten Räume verließen, war es mehr als ob man gegen eine Wand von Luft laufen würde. Das Atmen fiel gleich schwerer und man hat schnell angefangen zu schwitzen. Im Laufe meines Jahres ist dieses Klima eher heimisch geworden. Als ich mehrmals Schüler oder andere Programmteilnehmer vom Flughafen abholen musste so war das Wetter kein Problem mehr, jedoch für die Personen in meiner Begleitung. Viele mussten erst einmal den Schock überwinden, während ich über das Wetter schon ein wenig lächeln konnte.

Ebenso wie für sein Wetter, so ist Thailand auch für sein scharfes Essen berühmt. Vor meinem Abflug habe ich versucht schärfer zu essen und so die Gewöhnungsphase abzukürzen und zu erleichtern. Trotz "Vorbereitung" konnte ich so manche Sachen lange nicht essen. Allerdings wurde das scharfe Essen bald zur Routine und meine thailändischen Kollegen waren beeindruckt, dass ich ihr Essen vertrug.

Da ich einem Arbeitsalltag folgen musste, gestaltete sich mein Privatleben entsprechend anders. Nach meinem Feierabend bin ich meist recht müde nach Hause gefahren, wo ich relativ zügig schlafen ging. Gerade zu Beginn fordernden die Sprache und die gewöhnungsbedürftige Kultur viel Energie. Am Wochenende habe ich versucht möglichst oft etwas mit Freunden zu unternehmen. Als ich die ersten 3 Monate meines Aufenthaltes in einer festen Gastfamilie lebte fühlte ich mich jedoch verpflichtet auch Zeit mit diesen Menschen zu verbringen. Die Aktivitäten der Familie beschränkten sich oft auf fernsehen und Reinigung des Hauses. Natürlich half ich wo ich konnte und wie es die gegenseitigen Sprachkenntnisse zuließen, jedoch hatte ich das Gefühl einen Freundeskreis aufbauen zu müssen um mich wie zu Hause zu fühlen und auf diesem Wege sah ich mich eher vom Rest der Menschen isoliert. Gleichzeitig muss ich gestehen, dass meine fehlende Sprachkenntnisse und Unvertrautheit mit dem Land große Hindernisse waren, wenn ich mit anderen Menschen in Kontakt zu treten versuchte. So hat sich mein Freundeskreis auf AFS Bekannte und deren Freunde beschränkt.

Europa und Asien sind auf den ersten Blick grundverschieden. Die thailändische Kultur scheint uns so fremd und die Sprache klingt einfach nur komisch für die meisten von uns. Allerdings war es auch sehr interessant zu beobachten, wie deutlich manche Regeln und Gebote sich auch hier etabliert haben. Man könnte von gemeinsamen Werten sprechen, denn es sind meist Kleinigkeiten wie zum Beispiel man soll nicht mit dem Finger auf Menschen zeigen und Respekt älteren Menschen gegenüber zeigen, die auch wir kennen.

Allerdings sind dann natürlich auch krasse Unterschiede. So hatte ich lange ein Problem die thailändische Hierarchie zu durchschauen und mich einzufügen. Einher mit diesem Problem gingen auch die Bemühungen sein Gesicht und das seiner Mitmenschen zu wahren. Einem Vorgesetztem darf man nicht widersprechen oder Verbesserungsvorschläge machen, denn eigentlich wird erwartet, dass der Vorgesetzte mit seiner Erfahrung (sehr jung in hohen Positionen zu sein ist unmöglich) und seinem Wissen in der Lage sein sollte die Lage richtig zu erkennen und die besten Lösungen parat zu haben. Dies ist Teil der Gesichtswahrung. Dazu gehört auch, dass man lügt, sollte man eine Antwort nicht kennen und eine falsche Antwort als eine richtige akzeptieren ohne dass man die andere Person auf diesen Fehler hinweisen sollte.

Mein Arbeitsalltag hat sich im Laufe des Jahres selbst geändert. Die ersten 5 Monate meines Jahres habe ich im Büro gearbeitet. Dort war ich ca. 40 Stunden in der Woche. Vorab wurde mir schon erklärt, dass es zu meinen eigenen Aufgaben zählen würde, dass ich jeden Monat einmal mit jedem Teilnehmer Kontakt aufnehmen zu haben würde. Dabei möchte AFS Thailand sicherstellen, dass es den gehosteten Teilnehmern gut geht und keine Probleme sich aufbauen bis zu dem Punkt an dem eine Lösung des Konflikts sich als ungleich schwerer herausstellt. Darüber hinaus musste ich jeden Monat einen Newsletter für alle Schüler schreiben. Die Themen konnte ich dabei selbst auswählen und in der Gestaltungsfrage wurden mir keine Grenzen gesetzt. Allerdings wollte meine Vorgesetzte immer noch einmal eine Kontrolle machen bevor ich einen Newsletter verschicken durfte.

Zu meinen Aufgaben kam die Pflege der Datenbank mit Adressen und Telefonnummern ebenso dazu wie die Erstellung von Listen für unterschiedliche Zwecke. Wenn dann meine Kollegen nichts mehr für mich zu tun hatten wie kopieren, tackern oder sortieren, so versuchte ich mir selbst etwas zu suchen. Es war wichtig nicht tatenlos auszusehen und so fing ich an Photoshop zu erlernen, was auch später im Rahmen meiner Büroarbeit zum Einsatz kam. Im Laufe meines Jahres kam mir dann auch die Aufgabe zu, einen Bericht für das internationale AFS Netzwerk über jede Veranstaltung des Hosting Departments zu schreiben und somit Werbung für den AFS Thailand bei den anderen Partnerorganisationen zu machen, denn AFS Thailand bekommt nach wie vor zu wenig Hosting-Schüler.

Zu meinen Aufgaben als Mitglied des Hosting Teams gehörte es dazu, dass ich auch auf verschiedene Camps als Teil des Hosting Teams gefahren bin und somit durchaus auch gelegentlich an Wochenenden gearbeitet habe.

 Der Weg zu meiner Büroarbeit war durchaus sehr frustrierend und hat mit bis zu eineinhalb Stunden für 16 Kilometer sehr lange gedauert. Der Verkehr in Bangkok ist zu bestimmten Uhrzeiten eben sehr zähfließend. Bei Regen ist es sogar schlimmer. Dann kam mein Bus noch schlechter durch den Wirrwarr an Autos. Anschließend ging es dann auf dem Heck eines Motorrades weiter. Dieses kam meist schneller voran, weil es an den Autos vorbeifahren konnte. Allerdings ist dies nur mein Transport in der letzten Hälfte meines Jahres. Zuvor hatte ich einen Pick up mit 2 Sitzreihen benutzt (45 Minuten, 2. Gastfamilie) oder ich bin von einer Kollegin mitgenommen worden (1. Gastfamilie).

Ab meinem 6. Monat fing ich dann an in einer Schule zu unterrichten. Das Unterrichten gehört eigentlich zum normalen Umfang von Tätigkeiten eines FSJlers in Thailand. Bei mir gab es jedoch Probleme mit den Gastfamilien und so verschob sich meine Schultätigkeit immer weiter nach hinten. Zunächst unterrichtete ich Freiwillige in einem Extra-Deutschkurs. Ich musste Stundenpläne und Kursziele ausarbeiten, die von der Schulleitung akzeptiert werden mussten. Anschließend mussten Arbeitsblätter erstellt werden und die Stunden vorbereitet werden. All dies nahm viel Zeit in Anspruch, denn es war eine neue und ungewohnte Herausforderung für mich. Noch nie hatte ich so viel Verantwortung in die Hände gelegt bekommen. Allerdings stand mir die Schulleitung und meine Lehrerkollegen mit Tipps und Beispielen zur Seite und unterstützten mich in meiner Planung. Nach den Ferien von März bis Mai habe ich dann hauptsächlich Englisch im Kindergarten unterrichtet aber auch Global Studies (Sachkunde) in der ersten und zweiten Klasse unterrichtet. Die Schwierigkeit in dieser Tätigkeit bestand darin, den Unterricht altersgerecht und an die thailändische Lernkultur anzupassen. In Thailand wird viel gespielt und gesungen. Der Unterricht muss ein gewisses Unterhaltungspotential haben und so verbrachte ich die erste Zeit viel mit dem Erlernen von Liedern und Spielen für meine Schüler, damit ich jedes Mal, wenn die Schüler unruhig wurden, mit solchen Methoden ihre Aufmerksamkeit auf den Unterricht halten konnte.

In der Schule, wo AFS Thailand hauptsächlich aktiv ist und auch die meisten seiner Ehrenamtlichen herkommen, sollte ich eigentlich einen Betreuer und einen AFS Koordinator haben. Allerdings waren dies der Manager und die Schulleiterin der Schule. Daher kann ich den beiden keine Unbefangenheit aussprechen, wenn es zu Problemen zwischen mir und der Schulleitung gekommen wäre. Auch waren die beiden viel zu beschäftigt, als dass sie sich um mich hätten kümmern können. Daher kann ich nicht sagen, dass ich eine wirkliche Betreuung hatte. Des Weiteren hatte ich auch keine Camps, die zum Reflektieren und Austauschen einladen. Allerdings muss ich hier sagen, dass ich oft auf anderen Camps war und anhand der Programmpunkte mir meine eigenen Gedanken machen konnte.

Im Kontakt mit AFS hatte ich mir immer eine schnelle und klärende Antwort erwünscht und wurde in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Als ich Unterlagen für meine Universitätsbewerbungen benötigte, so kamen diese sehr zügig bei mir an. Großes Lob an Margarete Kulas für ihre Arbeit!

 Falls sich doch einmal Konflikte mit dem thailändischen Büro ergaben, so sind diese nur indirekt gelöst worden. So hatte ich zum Beispiel meine Kollegin, die für die Gastfamilienfindung für die FSJler zuständig ist, nach 2 Wochen in einer temporären Gastfamilie gefragt, ob sie schon eine neue Familie gefunden hätte. Leider muss sie dies als Kritik verstanden haben. Anscheinend war sie der Auffassung, dass ich sie für die lange Suche beschuldigen würde. Zwar hat sie dies nicht so direkt gesagt aber sie wurde laut und redete über die Versuche, die sie schon unternommen hatte. Ich war irritiert und versuchte nicht weiter über das Thema zu sprechen. Sie hat den Rest des Tages auch nicht mehr mit mir gesprochen. Am darauf folgendem Tag bat mich die Hosting Direktorin in ihr Büro und sprach über die Möglichkeiten von verschiedenen Gastfamilien. Sie wollten mich in eine Gastfamilie schicken, die zuvor schon meinen Vorgänger aufnahm. Dies jedoch war mir unangenehm, da ich nicht mit ihm verglichen werden wollte. Daher versuchte ich so sensibel wie möglich eine andere Lösung zu erbitten, wodurch meine Vorgesetzte sich stark wunderte und dies mit ein wenig heftigerer Gestik und Nachdruck in der Stimme klarmachte. Im Endeffekt einigten wir uns, dass ich es in dieser Familie versuchen sollte, allerdings kam es nie dazu. Warum weiß ich bis heute nicht genau.

Mit meiner Gastfamilien und meinen Kollegen habe ich mich zumeist auf Englisch unterhalten. Auch wenn das Englisch vieler Thais nicht gut ist bzw. nicht vorhanden, so hat die Kommunikation in meinem Falle doch recht gut geklappt. Mit zunehmendem Wissen über die thailändische Sprache habe ich versucht auch vermehrt in Thai zu reden, allerdings hat sich das nie auf ein richtig gutes Level entwickelt, was auch teilweise an meinem Arbeitsalltag gelegen haben mag, sowie an bestimmten Phasen meines Jahres, dann nämlich als ich die ersten Rückschläge in Sprache, Familienleben und der Arbeit erfuhr.

Leider habe ich nie einen Sprachkurs besucht. AFS Thailand organisiert üblicherweise einen Sprachkurs mit einem Lehrer an der eigenen Schule an der man selbst lehrt. Leider war ich die ersten 5 Monate nur im Büro und anschließend in einer Schule, in der die verantwortliche Person sehr beschäftigt war und es nie zu dem angedachten Sprachkurs kam.

Auf meine Sprachkenntnisse reagierte man eher gelassen. Meine AFS Kollegen versuchten zwar immer erst etwas in Thai zu sagen, sollte ich es jedoch nicht verstanden haben, so waren sie auch bereit es in Englisch zu übersetzen. Wie man in der Schule dazu stand, weiß ich nicht direkt. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass die Verantwortlichen es besser fanden, dass ich auf Englisch in der Kommunikation mit den Schülern angewiesen war.

 Als Abschluss möchte ich AFS Deutschland und AFS Thailand sehr herzlich für dieses Jahr danken. Ich bin immer noch am Realisieren wie sehr mich dieses Jahr beeinflusst und verändert hat. Dieser Prozess wird wohl noch lange so weiter gehen und so kann ich sagen, dass AFS mir eine lebenslange Erfahrung gab, die ich versuchen werde weiterzugeben und aus meinen Erfahrungen ein Verhalten an den Tag lege, das meine Mitmenschen animiert über die Welt und andere Kulturen nachzudenken und so zu einer friedlicheren Welt beitrage.